Mit Verstorbenen sprechen: Was wirklich passiert, wenn wir Abschied nehmen
Einleitung
Vielleicht hast du es auch schon gespürt – diesen Moment, in dem du weißt, dass jemand gegangen ist, bevor das Telefon klingelt. Oder du hast deinen Namen gehört, obwohl niemand im Raum war. Oder du hast einen Brief geschrieben an jemanden, der nicht mehr lebt – und dich gleichzeitig gefragt, ob du verrückt bist.
Du bist es nicht.
Der Tod ist eine Schwelle. Kein Ende. Und der Kontakt mit Verstorbenen ist keine Fähigkeit für Auserwählte – es ist etwas, das wir alle kennen und uns größtenteils selbst ausgeredet haben.
In diesem Beitrag teile ich mit dir eine Session mit einer Klientin, die ich Tina nennen werde. Ihr Ex-Partner ist jung gestorben. Ihre Cousine hat sich das Leben genommen. Und Tina hat jahrelang in einem inneren Gewitter gelebt, das sie nicht loslassen konnte – bis wir beide Beziehungsräume geöffnet und geklärt haben.
Was dabei passiert ist, gehört zu den berührenden, tiefen Momenten meiner Arbeit.
Willkommen. Schön, dass du da bist.
🔍 Das Wichtigste auf einen Blick
- Mit Verstorbenen in Kontakt zu treten ist keine Esoterik-Nische – es ist eine menschliche Fähigkeit, die wir uns in der westlichen Gesellschaft abtrainiert haben
- Unverarbeitete Abschiede binden enorm viel Energie – nicht als Metapher, sondern als konkretes Erleben
- Schuld und Ohnmacht sind die häufigsten Themen, die in Beziehungsräumen mit Verstorbenen auftauchen
- Heilung passiert nicht durch Erklären, sondern durch echten Kontakt und Abschied
- Übergangsrituale fehlen in unserer Gesellschaft fast vollständig – das hat Konsequenzen
- Der Kontakt mit Verstorbenen ist möglich, auch Jahre nach dem Tod
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Warum wir mit Verstorbenen sprechen können – und es trotzdem nicht tun
Ich hätte dir das vor 15 Jahren nicht erzählt. Damals hätte ich die Augen gerollt bei dem Thema „Mit Verstorbenen sprechen“ – nicht weil mir der Tod unheimlich war, sondern wegen der Szenen und verbunden Klischees drum herum.
Bedeutungsschwangere Séancen, Räume voller gewollter Schwingung. „Ich nehme eine Energie wahr.“ – flackernde Augenlider, gebannte Stimmung… So in der Art.
Dabei ist das Universum voll mit Spirits. Es gibt welche mit Körper – du und ich – und welche ohne.
Der Kontakt zwischen uns ist kein Hexenwerk oder magisches Denken. Er ist ein Kinderspiel, wenn man sich selbst nicht im Weg steht.
Was uns im Weg steht: eine Gesellschaft, die uns beigebracht hat, dass das Einbildung ist. Dass Trauer sieben Stufen hat und man danach fertig ist. Dass Kontakt mit Verstorbenen etwas für „seltsame Leute“ ist.
Das ist es nicht. Und Tinas Geschichte zeigt warum.
Tinas Geschichte: Zwei Tode, zwei völlig verschiedene Räume
Tina ist seit mehreren Sitzungen bei mir. Kürzlich ist ihr Ex-Partner Tom gestorben, mit dem sie als Teenagerin zusammen war – jung, keine 40, an Darmkrebs. Sie hatten keinen engen Kontakt mehr, aber sein Tod hat in ihr etwas angestoßen.
Ihre Anfrage: die Beziehung mit Tom anschauen – und gleichzeitig verstehen, was da eigentlich nicht funktioniert hatte.
Was sich im Verlauf zeigte: dass dahinter eine zweite, viel tiefere Geschichte steckte. Der Suizid ihrer Cousine Lara – Jahre vorher, als Tina noch jung war.
Zwei Tode. Zwei Beziehungsräume. Und energetisch: zwei komplett verschiedene Welten.
Tom: Der Abschied, der leicht war
Wir haben den Beziehungsraum mit Tom geöffnet. Und Tom – der war frei. Astral glücklich, wie ich das deutlich wahrnehmen konnte. Ich habe ihn angesprochen und er hat zurückgelächelt. Kein Drama, kein Anhaften. Runde Sache.
Was wir in dem Raum gefunden haben: unausgesprochene Schuldbilder – aber alte, nicht aus dieser Beziehung. Aus einer Vergangenheit, die Lara unbewusst wie eine Brille auf alles gelegt hatte, auch auf Tom und diese Verbindung.
Das haben wir geklärt und bereinigt, sodass sich der Abschied der beiden ganz organisch neu vollzogen hat.
Die beiden gingen aufeinander zu, sahen sich in die Augen, drückten einander und Tom verließ winkend den Beziehungsraum. Buchstäblich so – bis später, ciao. Kein Drama. Ein Abschied wie nach einem guten Mittagessen.
Das hat Tina hinterher selbst auf den Punkt gebracht: Sie hatte Tom vor unserem Termin einen Abschiedsbrief geschrieben. Und ganz am Ende hatte sie geschrieben – „bis später.“ Und sich dabei fast geschämt. Makaber, dachte sie.
Aber es war nicht makaber. Es war genau richtig. Denn Zeit und Raum gibt es nur hier, in dieser 3D-Welt. Auf anderen Ebenen ist „bis später“ keine Phrase – es ist eine Tatsache.
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Lara: Das Gewitter, das Jahre anhielt
Dann der zweite Raum. Tina und Lara.
Ich öffne den Beziehungsraum – und es ist, als würde man von einer ruhigen Straße direkt in ein Gewitter treten. Dunkel. Laut. Geröll überall. Schuldbilder, Gedanken, Aktionen – all das, was Tina über Jahre mit sich herumgetragen hat.
Ich hätte sie retten müssen.
Ich hätte es merken müssen.
Ich hätte es schaffen müssen.
Tina hat in diesem inneren Raum jahrelang gearbeitet. Nicht metaphorisch – sie hat geackert. Diskutiert, erklärt, versucht Lara zurückzuholen. 24/7 dieses Schuldthema durchexerziert. Und dabei war Lara selbst mitten im Raum – ruhig. Still. Unbeweglich. Präsent.
Ein starker, beeindruckender Kontrast zu Tinas tosendem Gewitter.
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Was Schuld mit unserem Trauern macht
Beim Blick in Tinas System wurde deutlich: Tod war bei ihr direkt mit Ohnmacht gekoppelt. Nicht nur durch Laras Tod. Auch Bilder aus vergangenen Leben – immer wieder derselbe Schmerz: Abrupter Tod ohne die Möglichkeit für Abschied. Kein Übergangsritual. Keine Handlungsfähigkeit.
Dies zog sich wie ein roter Faden durch mehrere Leben und formte einen inneren Glaubenssatz: Wenn jemand geht, bin ich machtlos. Und es ist meine Schuld. Denn ich hätte es verhindern müssen.
Schuld hält uns in der unverarbeiteten Trauer fest.
Der Moment, in dem sich alles klärt
Was haben wir also gemacht? Wir haben das Geröll aus dem Raum genommen, das Gewisster geklärt, das Tosen beruhigt. Und dann habe ich einfach Lara gefragt: Wie geht es dir?
Lara hat geantwortet – ruhig, direkt, ohne Erklärung:
Nein.
So einfach. Kein Warum, keine Rechtfertigung.
Einfach: Nein, dieses Leben führe ich nicht weiter.
Das war solide. Und nicht verhandelbar.
Und im weiteren Dialog wurde klar: Lara hatte Dinge getragen, die Tina nie gesehen hatte.
Lara hatte täglich mit inneren „Dämonen“ zu ringen, die ihr System massiv belastet haben.
Wir stecken nicht in den Schuhen anderer Menschen. Wir sehen nicht, womit sie nachts kämpfen.
Das heißt nicht, dass wir aufhören, Unterstützung anzubieten. Aber es gibt ein Limit, ob dieses Leben als lebenswert wahrgenommen wird – und das Limit bestimmt die Person, die den Schmerz trägt. Nicht wir.
Danach ist Lara zu Tina gegangen. Hat ihre Hand genommen. Hat ihr in die Augen gesehen. Und wortlos gesagt:
Ich liebe dich.
Es tut mir leid, dass du diesen Schmerz durchmachen musstest.
Ich wollte trotzdem gehen.
Beides gleichzeitig. Die Liebe und der Abschied. Parallel, ohne Widerspruch.
Was uns in Deutschland beim Trauern fehlt
Das ist nicht nur Tinas Thema. Das ist ein gesellschaftliches.
Wir haben in der westlichen Welt fast keine Übergangsrituale mehr. Eine Schultüte. Vielleicht ein Schulabschluss. Und dann? Nichts. Kein Ritual für den Eintritt ins Erwachsenenleben. Keins für den Tod.
In anderen Kulturen – Tina erzählte von Sri Lanka – ist der Tod sichtbar. Präsent. Reinkarnation ist gesellschaftlicher Konsens, kein spiritueller Sonderweg. Der Tod ist nicht das Ende, er ist ein Übergang.
Bei uns ist der Tod ausgelagert. Ins Krankenhaus, ins Altenheim, hinter Türen. Und das Altern gleich mit. Als wäre beides eine Fehlfunktion.
Wir trauern in einer Gesellschaft, die keine Sprache für Trauer hat.
Außer das 7-Phasen-Modell.
Das macht etwas mit uns. Es macht soetwas wie Tinas jahrelange Schuld-Arbeit wahrscheinlicher.
Es macht den „bis später“-Satz makaber, obwohl er wahr ist. Und liebevoll.
Mein eigener Abschied – und was meine Katze damit zu tun hatte
Einer der einschneidendsten Abschiede in meinem Leben war der Tod meines Katers. Sinnlos, in meiner Welt damals. Fürchterlich sinnlos. Ich hatte ihn drei Tage gesucht. Er war so nah – und ich habe ihn nicht gefunden.
Wie lange hatte ich damit zu ringen – 50 Meter von meienr Wohnung entfernt.
Er ist von einem Baum gefallen, auf den er von einem Hund gejagt wurde – ich hatte den Moment in Zeitlupe mitbekommen – einer jener Mikromomente, die sich in der eigenen Wahrnemung zu großer Intensität akkumulieren „das hier ist wichtig“, aber manchmal weiß man nciht, warum.
Er ist von diesem Baum nicht mehr alleine runter gekommen und nach Tagen gefallen, auf Steine. Dort habe ich ihn am nächsten Morgen gefunden.
Am Vorabend, kurz vor Mitternacht, kam meine Katze zu mir. Und machte eine Geste an meinem unteren Rücken, die sonst nur er gemacht hat. Ich drehte mich freudig um. Hey, bist du das?
..Ach, du bist es… kam es, als ich meine Katze sah. Heute weiß ich mehr denn je, dass er es war.
Sie hat es nur dieses eine mal gemacht. Danach nie wieder.
Das war sein Abschied.
Und heute verstehe ich mehr denn je, dass er schon in den Wochen davor begonnen hatte, zu gehen.
Für ihn war der Abschied sehr klar.
Und ich bin voller Dankbarkeit, dass er mich bis zu jener Zeit mit seiner Liebe und Einzigartigkeit begleitete hat.
Danke. Ich liebe dich.
Fazit: Vertraue deiner Wahrnehmung
Der Tod tut weh. Das ist normal und das darf er. Abschiede reißen etwas auf – das ist real und das ist menschlich.
Und gleichzeitig: Die, die gehen, sind nicht weg. Sie bleiben eine Weile nah. Sie verabschieden sich – auf ihre Art, zu ihrer Zeit.
Tiere tun es einfach. Menschen auch – wenn wir es zulassen.
Was du tun kannst: Sprich den Namen aus. Schreib den Brief. Und vertraue dem, was du wahrnimmst – auch wenn keine rationale Erklärung dazu passt. Deine Wahrnehmung ist nicht Einbildung. Sie ist Kontakt.
Beginne ein Gespräch. Und höre hin. Vielleicht nicht mit deinen Ohren, aber mit deinem Herzen.
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FAQ
Ist es normal, nach dem Tod einer geliebten Person das Gefühl zu haben, sie noch zu spüren? Ja – und es ist kein Zeichen von Verleugnung oder Nicht-Loslassen. Verstorbene bleiben häufig eine Zeit lang energetisch präsent. Dieses Spüren ist Kontakt, kein Wunschdenken.
Was ist ein Beziehungsraum und wie funktioniert das? Ein Beziehungsraum ist ein energetisches Feld, das zwischen zwei Menschen existiert – unabhängig davon, ob einer von ihnen noch lebt. In einem Reading wird dieser Raum angeschaut und wenn nötig geklärt. Was sich darin zeigt, sind oft unausgesprochene Dinge, Schuldbilder, Sehnsüchte oder offene Abschiede, aber auch unsichtbare Dynamiken und Potenziale.
Kann ich selbst mit Verstorbenen sprechen – ohne Medium? Ja, auf jeden Fall. Du brauchst dafür keine besondere Fähigkeit. Was du brauchst: Bereitschaft, innere Stille und das Vertrauen in das, was du wahrnimmst. Sprich den Namen laut oder innerlich aus. Schreib einen Brief. Lass dir schreibend Antworten geben: Lass Antworten kommen – ohne sofort zu prüfen, ob sie „real“ sind.
Was ist der Unterschied zwischen Trauer und energetischer Verstrickung? Trauer ist ein natürlicher Prozess – Schmerz, Leere, Sehnsucht. Verstrickung entsteht, wenn Schuld, Ohnmacht oder unausgesprochene Dinge den Raum besetzen und die Energie dauerhaft binden. Dann wird Trauer zur Dauerarbeit statt zum Prozess.
Warum fällt Trauern in Deutschland so schwer? Weil Übergangsrituale fehlen. Der Tod ist aus unserem Alltag ausgelagert – ins Krankenhaus, ins Altenheim. Es gibt kaum gesellschaftliche Räume, um Abschiede zu gestalten. Das macht Trauer einsam und oft unsichtbar.
Was passiert, wenn ich das Gespräch mit einem Verstorbenen „zu früh“ oder „zu spät“ führe? Es gibt keinen falschen Zeitpunkt. Der Kontakt ist möglich – auch Jahre oder Jahrzehnte nach dem Tod. Der Beziehungsraum bleibt bestehen.
Jeder Moment ist der richtige Moment.






