Keine Zeit für Selbstfürsorge? Was dahinter wirklich steckt
Einleitung
„Ich habe keine Zeit, mich um mich zu kümmern.“ Vielleicht bist du Mami, Papi, Vollzeit beschäftigt, Manager – und der Alltag ist voll. Das stimmt.
Und gleichzeitig: Dieser Satz kann mehr sein als eine Beschreibung der Realität. Er kann auch eine Funktion haben.
🔍 Das Wichtigste in Kürze
- „Keine Zeit“ kann eine unsichtbare Dynamik sein, die uns vom Hinschauen abhält – In dem Fall lohnt es sich, einen Blick darauf zu werfen 🙂
- Wir füllen freie Momente manchmal mit Scrollen, nicht weil wir faul sind, sondern weil etwas im Hintergrund liegt, das wir lieber nicht anfassen
- Das Vermeiden kann mehr Energie kosten als das Hinschauen
- Der erste Schritt ist kein Programm – es ist meist einfach ein Atemzug
- Klarheit, auch wenn sie zuerst unangenehm ist, bringt Erleichterung – spürbar im Körper
1. Der Glaubenssatz, der uns beschäftigt hält
„Ich habe keine Zeit, mich um mich zu kümmern.“ Dieser Satz ist weit verbreitet. Und ja – manchmal stimmt er einfach. Der Alltag ist voll, die Anforderungen sind real.
Aber manchmal – und der Unterschied ist entscheidend – kann dieser Satz auch eine andere Funktion haben.
Wenn wir bestimmte Dinge mit uns herumtragen, etwas, das wir vielleicht lieber nicht anfassen würden, dann kann es passieren, dass wir in Muster fallen, die uns dabei unterstützen, nicht hinzuschauen. Immer busy zu sein ist eines davon.
Das ist nicht böswillig. Das ist auch nicht zwingend bewusst gewählt.
2. Was im Hintergrund wabert
Da kann etwas sein, das unbewusst im Hintergrund wabert und unser Handeln mitbestimmt.
Die Angst, etwas in uns zu berühren, wovor wir vielleicht weglaufen möchten. Etwas zu spüren, das uns Angst macht. Und während das im Hintergrund läuft, denken wir hier oben im Kopf: ich bin total busy, ich habe überhaupt keine Zeit.
Wenn du das kennst, als Muster, dann kann es wert sein, wahrgenommen zu werden.
3. Was in diesen fünf freien Minuten passieren kann
Du hast gerade fünf Minuten. Und statt dich hinzusetzen, greifst du zum Handy: TikTok, Instagram, Facebook. YouTube-Video. Irgendetwas. Du rufst in freien Momenten immer Leute an, zündest eien Zigarette an.
Du Beschäftigst dich…
Mit etwas (anderem).
Wenn du das bei dir merkst, kann das ein Hinweis sein – dass da vielleicht etwas ist, das du gerade lieber nicht anschaust.
Und damit ist erstmal per se nichts falsch. Es hilft, es als Strategie wahrzunehmen, nicht als Versagen. Und sich bewusst zu machen: Da ist offensichtlich eine Dynamik, die mich gerade leitet.
Diese Strategie fühlt sich kurzfristig leichter an. Aber sie kostet uns unterm Strich viel Energie – je länger wir sie beibehalten, anstatt hinzuschauen.
Denn Dinge, die wir unbewusst tragen, die in uns wabern und wirken, befinden sich außerhalb unserer Kontrolle, außerhalb unserer Handlungsräume.
Und im Idealfall bringen wir sie da hin. 🖤
4. Das 10-Meter-Brett – und warum wir immer wieder runtersteigen
Es ist vergleichbar damit, auf dem 10-Meter-Brett zu stehen. Du stehst da oben. Schaust runter. Und gehst wieder zurück.
Stattdessen: Facebook, YouTube, irgendwas.
Sich kurz hinzusetzen und nichts zu tun – einfach atmen, spüren, wie man da ist – das ist wie dieser eine Schritt vom Brett.
Das Klack.
Und dann bist du da.
In deinem Körper.
Mit dir und dem, was in dir ist.
Diese Entscheidung kondensiert sich in diesem Moment: nur atmen. Spüren, wie du da bist. Gedanken außen lassen. In einen körperlichen Zustand kommen.
Es darf schwierig sein. Die Herausforderung darf benannt werden. Und trotzdem: Du machst es.
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5. Was passiert, wenn wir trotzdem hinschauen
Es gibt einen Glaubenssatz, der uns davon abhält: Ich pack das nicht! Was ich finde, wird zu krass sein.
Das ist selbst ein Glaubenssatz. Und er ist wahr gewesen, als er entstanden ist: vermutlich in deiner Kindheit, als es zu herausfordernd war, mit dem zu sein, was in dir war.
Doch heute, wenn wir uns auf uns selbst verlassen – neugierig, hinwendend, ohne die Lösungen gleich parat zu haben – dann öffnet sich ein Raum der Innenwelt.
Wer ist da eigentlich so am Start?
Wer oder was befindet sich in den Innenwelten?
Das allein bringt Erleichterung. Dieses „Hey, ich bin da. Ich bin da für mich, mit allem, wie es mir gerade geht.“
Das ist schon Loslösung. Leichter gesagt als getan, denken wir uns – und manchmal stimmt das auch. Manches ist tricky alleine anzusehen, aber viele Räume unserer Erfahrung und Ausweichstrategien können wir heute problemlos begehen – wir müssen nur den Schritt machen – wie bei einem 10-Meter-Brett.
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6. Erleichterung als Körpererfahrung
Solange wir im Modus „ich schaue da nicht hin, alles gut“ bleiben, halten wir die ganze Zeit diese Spannung aufrecht – das läuft die ganze Zeit unter dem Radar. Das kostet Energie. Richtig viel Energie.
Wenn wir hinschauen, kann Erleichterung eintreten – spürbar im Körper. Nicht erst nach einem Programm, nicht erst nach Monaten. Schon darin, dass wir uns selbst bezeugen: den Körper, die Spannung, das, was gerade wirklich los ist.
Sich selbst zu bezeugen, umarmt automatisch die inneren Anteile, die allein mit ihrer Erfahrung waren.
Es ist unglaublich, wie viel Heilung entsteht, allein dadurch, das wir anwesend bleiben.
Wichtig dabei: Wir müssen das nicht überall durchprozessieren. Wenn auf der Arbeit eine Welle der Trauer hochkommt, ist es sinnvoll, die auf später zurückzustellen.
Aber wenn dieses Später niemals kommt, ist das eine fragwürdige Strategie.
Fazit
„Keine Zeit für Selbstfürsorge“ ist selten ein reines Zeitproblem. Es ist oft eine unsichtbare Dynamik, die uns davon abhält hinzuschauen. Das Vermeiden fühlt sich leichter an – kostet aber unterm Strich deutlich mehr Energie als ein einziger Atemzug.
Der erste Schritt ist kein Programm. Er ist der Moment, in dem du oben auf dem Brett stehst – und trotzdem springst.
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FAQ
Ist Selbstfürsorge immer zeitintensiv? Nein.Es reicht manchmal schon die Bereitschaft einfach zu atmen – unsere Gedanken und das programm sagen uns, wir bräuchten mehr Zeit – wenn wir so wenig Zeit haben, können wir es auch gleich sein lassen – doch das ist Teil der Ausweichstrategie. Denn wenn wir die Entscheidung gesetzt haben, liegen zwischen ein paar Atemzügen schon ganze Welten und unser Körper kann sich neu ausrichten.
Was, wenn ich gar nicht weiß, was ich fühle? Das Ziel ist nicht, sofort alles zu benennen oder durchzuprozessieren. Es geht darum, überhaupt in den Raum der Innenwelt zu gehen und zu schauen, was da ist – ohne die Lösungen parat haben zu müssen.
Wir müssen nicht wissen, was wir fühlen.
Wir dürfen fühlen, was wir fühlen.
Was sind „innere Anteile“? Ein Begriff aus der psychologischen Arbeit (IFS – Internal Family Systems): die Idee, dass verschiedene Teile von uns unterschiedliche Bedürfnisse oder Reaktionen haben. Im Kontext dieses Artikels sind es die Teile, die vielleicht Trauer, Erschöpfung oder Angst tragen – und die Hinwendung brauchen, nicht Ablenkung.
Warum greifen so viele Menschen zu Social Media, wenn sie kurz frei haben? Weil das Scrollen eine schnelle, niedrigschwellige Zerstreuung bietet. Und weil die Alternative – kurz inne zu halten, zu spüren, was wirklich los ist – eine Herausforderung sein kann, wenn etwas im Hintergrund liegt, das wir lieber nicht anfassen möchten.
Ab wann brauche ich professionelle Begleitung? Wenn das „Später“ des Hinschauens dauerhaft nicht kommt. Wenn das Muster sehr stabil ist und Eigenversuche ins Leere laufen. Eine Klarheitssession oder ein Kennenlerngespräch kann helfen, Klarheit zu schaffen – sicher begleitet in die eigene Rückverbindung mit sich selbst.





